MfSBZ, Beratungsprotokoll vom 20.12.2012

So. Na toll. Klasse Aufgabe. Einen Text zu Weihnachten und Weltuntergang! Das passt. Da wächst zusammen, was zusammengehört! Ein Problem könnte werden, dass das Weihnachtsfest zeitlich nach dem Weltuntergang liegt. Irgendwie macht das so gar keinen Sinn: der Erlöser wird in eine Welt geboren, die gar nicht mehr da ist! Gibt es denn noch einen Stall in Bethlehem der als Herberge dienen kann für die jungfräuliche Braut und ihren platonischen Freund? Man weiß es nicht. Und es macht auch gar keinen Sinn, darüber zu spekulieren: entweder morgen geht die Welt unter und wir gehen alle mit, dann ist es egal ob noch wer kommt, oder eben nicht und dann ist ja auch Weihnachten. Klappt also alles.

Klappt also alles? Wie sieht es denn aus bei Ihnen? Alles fertig fürs Fest? Noch Geld in der Brieftasche und auf dem Konto? Ja? Und dann sagen Sie: alles fertig fürs Fest?! Ihnen ist es wohl egal wie Sie untergehen werden?

Wenn, sage ich, schon mal, und wann kommt das sonst vor, wir beide leben ja auch nicht erst seit gestern, ach, geben wir es doch zu, wir sind mindestens so alt, wie wir aussehen, wenn nicht sogar … aber das ist egal, morgen, dann, beim Untergang.

Wenn also schon mal so große Ereignisse wie Weltuntergang und Weihnachten in eine solche zeitliche Nähe fallen, also fallen passt jetzt nicht so ganz, der Weltuntergang fällt ja nicht, er übernimmt eher oder überwältigt, fallen würde er nur aus, und wenn er ausfiele, fiele Weihnachten auf Dienstag/Mittwoch, fallen geht also doch, im besten Falle, also Weihnachten ohne Weltuntergang.

Wenn also, fange ich den Satz nun zum dritten mal an, kann ich den jetzt vielleicht auch mal zu Ende formulieren, ohne das mir der Untergang dazwischen kommt, so viel Zeit haben wir ja heute auch gar nicht, sind ja noch ein paar Stunden hin, bis zur bangen Ungewissheit: Schei…auch das noch: verspekuliert, Weltuntergang fällt aus und ich habe keine Geschenke, wer hätte das ahnen können?

Wenn also…

Wenn also schon mal so große Ereignisse wie Weltuntergang und Weihnachten in eine solche zeitliche Nähe fallen, dann kann man das doch nicht einfach so hinnehmen und munter vor sich hin wirtschaften! Dann muss man ja förmlich seine Kohle raus hauen für Champagner und Kavier und nette Gesellschaft und eine gute Party und einen einmaligen Untergang in Würde und Überfluss! Eine Lesebühne? Jaaaa, aber das ist das Mindeste! Der Anfang allemal. Eine Rockband, ach was, eine Operndiva für Zuhause! Eine Galavorstellung für die Kinder: Thomas Gottschalk UND Dieter Bohlen UND Gerhard Schröder in der Jury, um mal drei teure Unsympathen in einem Satz unterzubringen und in Ihrem Wohnzimmer. Der deutsche Mann IST Macho, unlustig, raffgierig UND unsozial bis in den Untergang! Musste das jetzt schon wieder bewiesen werden?

Einen Rolls Royce UND eine Rollex UND die Queen zum Five-o-clock-tea. Und Frau Merkel eine neuen Hosenanzug kaufen UND von Heidi Klum vorführen lassen UND Alice Schwarzer dazu zetern lassen! Die deutsche Frau IST mächtig, schön und konsequent bis in den Untergang!

UND sich einmal die ganze Tankstelle einpacken lassen! Das Gefühl man kaufe sie ganz, hat man ja schon lange bei jedem Tanken! UND den Stadtbus mal selber fahren, bis nach Hause vor die Tür! UND den erwachsenen Radfahrer mal vom Rad schubsen auf dem Bürgersteig, auch wenn er dann die darauf parkenden Luxuslimousinen beschädigt! UND einen Elefanten in den Mediamarkt führen UND mit Plasmafernshern beladen eine Elefantenpolka tanzen lassen! Und den Vorwerkvertreter mal reinlassen und ausverkaufen! UND den Wachturm in 100.000er Auflage ordern! UND mit dem Rolls dann in die Schaufensterauslage von Christ fahren und alles an die Passanten verteilen! UND Häppchen servieren dabei UND Schusswaffen ausgeben und alte UFA-Schlager singen dazu!

Was das kostet? Ist doch egal! Davon geht die Welt nicht unter! Nicht?! Nee, stimmt, ist ja damals auch nicht. Dann eben alles einpacken lassen, bezahlen und zu Weihnachten verschenken. Pleite sind wir dann eh!

Na siehste! Geht doch! So oder so! Mit dieser Lösung beende ich die Beratung und wünsche Ihnen … Nein, auf dieses Glatteis begebe ich mich jetzt nicht! Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend und einen guten Weg nach Hause!

Andersen Storm, 20121220, Schwerin

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