„Profipresse“ als Verteidigungsbegriff keine gute Idee

DJV-Bundesvorsitzender Frank Überall schlägt in einer Pressemitteilung „Mit Profipresse gegen Lügenpresse“ vor, dem ideologischen Kampfruf einen positiven Begriff entgegen zu setzen: Profipresse eben. Halte ich für keine gute Idee.

Die Linie zwischen etischem und unethischen Verhalten als Journalist findet sich nicht in der Abgrenzung des professionellen (beruflich agierenden) Journalisten vom Amateur-Journalisten (nichtberuflich agierend, Freizeit- oder Bürger-Journalist), sondern darin, ob der Journalist nach Pressekodex agiert oder nicht.

Die Professionalität einer Tätigkeit ergibt sich aus der angenommenen oder nachgewiesenen Erfahrung und erwerbsmäßigen Tätigkeit dabei. Es gibt auch professionell-manipulierende Tätigkeitsprofile im Umfeld des Journalismus, bei denen unter Umständen das Ziel einer Berichterstattung partiell wichtiger sein könnte als der Pressekodex. Denken wir da nur fiktiv an eine Agentur, die den Ruf ihrer Kunden im journalistischen Umfeld aufbessern wollte.

Professionalität ist nicht der Schlüssel zu etischen Verhalten. Sie ist noch nicht einmal eine Voraussetzung dazu, denn auch Studierende, Quereinsteiger und Amateure sind in der Lage, sich an den Pressekodex zu halten, auch ohne geschäftsmäßig zu agieren und ihre „Ware“ Journalismus professionell an Verlage (Presse) zu vertreiben. Dabei geht es weiterhin um Ethik und Verantwortung.

„Profipresse“ eignet sich nicht, dem Begriff Lügenpresse etwas Positives entgegen zu setzen. Einfach keine gute Idee.

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Ein Gedanke zu „„Profipresse“ als Verteidigungsbegriff keine gute Idee“

  1. Richtig. Zumal es mir sowieso falsch erscheint, sich mit dem Begriff „Lügenpresse“ verteidigend auseinanderzusetzen. Z.B. kann man ja auch jedes Foto eine Lüge nennen. Nicht wegen der Fotoshop-Möglichkieten, sondern, weil es immer nur einen Ausschnitt, ein Blickwinkel darstellt. Journalistische Tätigkeit ist also – egal ob in Wort oder Bild – immer ein Standpunkt. Den kann man teilen oder nicht. Mehr nicht. Punkt. Der Begriff „Lügenpresse“ – und das ist mein Standpunkt – ist ein Begriff, der von Leuten in die Welt gesetzt wurde, die in der Zeitung die Schlagzeile „Berechtigter Volkszorn gegen das Weltjud …“ äh nein … „Weltislamistentum …“ vermissen.

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