#hamper day1

Schwerin, 2017-05-14 11:22 

Erster Impuls: chinesische Weisheiten. Auch die längste Reise beginnt – mit der Vorbereitung. Oder war es doch der erste Schritt? Der ist gemacht. Die Wohnung sicher verlassen, Straßenbahn, Zug nach Hamburg. 

Zweiter Impuls: Irgendwas mit Hin und zurück, den Beutlins, Herder-Ringe. Irgendwas, dass in der Wortspielkasse klingelt und später Raum für Anspielungen und Metaphern lässt. Hätten die Bewohner von Mittelerde Handys besessen, allein schon wegen der Akku-Probleme, kennten wir ihre Saga nicht.

Hamburg, 2017-05-14 16:43 

In der Luft, auf dem Weg nach Perth, Westaustralien. Noch geht es bergauf, noch haben wir die Reisehöhe nicht, die Wolken allerdings sind schon unterm Flieger. Das jedenfalls zeigt die Außenbordkamera auf dem Display am Sitz vor mir. Es wird zunehmend kälter in der Kabine. Obwohl Kabine – Wartebaracke träfe es besser. So eine Boeing 777 ist nicht gerade klein. Dennoch gelingt es den Airlines, sie zu eng zu bestücken und voller Reisende zu stopfen. Nachher, in sechs Stunden in Dubai, zum Zwischenstopp, geht’s dann im einen Airbus. Das ist allerdings auch nur ein Flugzeug, allerdings zweistöckig. Ich trockne mir die Füße außerhalb der Schuhe, bis sich einer bei der Stewardess beschwert. Bis jetzt ist es noch nicht soweit. Den Reisepass habe ich griffbereit. Man weiß ja nie, in welcher Höhe man zum auszusteigen gezwungen wird. Mit einbisschen Glück erst wieder sehr kurz über dem Boden. 

Ich sitze außen in einer linken Dreierreihe. Die Gänge sind sehr schmal gehalten.  Da kann man auch mal die Beine ausstrecken, hieß es. Ja, aber auch nur kurz, denn die Gänge werden gut genutzt. Am Fenster sitzt ein älterer Mann im Muskelshirt und hustet und schnaubt. Das ist weniger schön, aber nicht zu beeinflussen. Der mittlere Sitz ist, wie es die App beim Buchen voraussagte, frei. Das ist angenehm.
Die Bahnfahrt war angenehm und pünktlich. Zum Gepäckaufgeben war ich sogar zu früh. Online-Checkins erweisen sich immer wieder als wertvolles Feature. Apropos Englisch: da habe ich doch im letzten halben Jahr Fortschritte in meinem App-Online-Kurs gemacht. Das Flughafenenglisch der Airline habe ich trotzdem nicht verstanden. Bisher. Tag Eins. Da geht ja vielleicht noch was. Die Schuhe habe ich wieder an, es wurde frisch. Alles gut also. 

Zeit für einen Tomatensaft. Rotwieblut. Besser einen Rotwein. Oder nein, ein Wasser tut es auch. Ok, es sollte ein Kaffee werden. We’ll see, wie der App-Engländer sagt. There is no. Gibt nur Kaltes. Das auch nur sparsam. Aber immerhin mehr als die einhundert Milliliter der EU-Flugkontrollen. 150 ml. Hammer. Trink ich direkt aus. Da gibt es ausnahmsweise noch eines. Whisky und Rotwein und Wasser allerdings für meinen Nachbarn sind kein Problem. 

Draußen sind nur noch -56 Grad. Vorhin waren es noch -65. Es wird etwas wärmer in der Kabine. 

Dubai hat in der Nacht mich 31 Grad, aber das ist schon ein anderer Tag.

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